Glauben Sie an Grenzwerte?

Zeitgleich mit dem flächendeckenden Ausbau des Mobilfunks zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden von einem privaten Verein von industrienahen Technikern, Ingenieuren und Physikern, der sich den Namen ICNIRP gab (International Commission on Non Ionising Radiation), Grenzwerte für die Strahlenbelastung durch Mobilfunk aufgestellt. Diese Werte wurden 1996 vom Bundestag in der 26. Immissionsschutzverordnung zum Gesetz erhoben.

Seither berufen sich Industrie, Behörden, Politiker, Justiz und Medien auf diese Werte. Seither wird behauptet, bei Einhaltung dieser Grenzwerte bestehe keine Gefahr für Mensch und Natur durch Mobilfunkstrahlung. Diese Behauptung ist wissenschaftlich falsch, sachlich absurd und gesundheits- und lebensgefährlich.

Warum ist das so? Lesen Sie die Hintergründe! Es folgt ein Auszug des Berichtes vom 26. Februar 2008 von Dr. med. Wolf Bergmann, Facharzt für Allgemeinmedizin und Mitinitiator des Freiburger Appells:

— Die Werte wurden an Leichen und Dummies ermittelt und beziehen sich ausschließlich auf die Erwärmung von totem Gewebe.

— Diese Werte wurden abgeleitet von Werten, die zum Schutz von gesunden, erwachsenen Antennenarbeitern vor übermäßiger Erwärmung bei Arbeiten in Antennennähe aufgestellt wurden. Durch eine willkürliche Rechenmanipulation wurden sie im Nachhinein zu Schutzwerten für die allgemeine Bevölkerung umfunktioniert. Für diese Umdeutung gibt es keinerlei Datenbasis und schon gar keine Forschungsgrundlagen.

— Diese Werte hatten von Anfang an keinerlei Bezug zu den biologischen Wirkungen von Mobilfunkfrequenzen auf lebende Organismen und haben daher mit der Frage von Gesundheitsschutz überhaupt nichts zu tun.

— Die ICNIRP selber gibt im Kleingedruckten zu, dass sie mit diesen Werten nichts aussagen kann über die nichtthermischen biologischen Wirkungen und über Langzeitwirkungen.

— Prof. Jürgen Bernhardt, führendes Mitglied der ICNIRP, langjähriger Vorsitzender der Ausschusses „Nicht ionisierende Strahlung“, tätig im Bundesamt für Strahlenschutz und „Berater“ aller Umweltminister der letzten Regierungen, Hauptverantwortlicher für die Erfindung der Grenzwerte und deren Übernahme durch den Bundestag, gab auf gezieltes Fragen zu: „Einige Hochfrequenzfelder können die biochemische Informationsverarbeitung an der Zellmembran beeinflussen…Es gibt auch Hinweise auf krebsfördernde Wirkungen.“ Auf die Frage, warum dann die Grenzwerte nicht geändert würden, erklärte er: „Dann wird der Standort Deutschland gefährdet. Wenn man jeder Hypothese nachgeht und Grenzwerte reduziert, dann macht man die Wirtschaft kaputt.“

Dies alles bedeutet: die Grenzwerte ermöglichen auf legale Weise die völlig unkontrollierte Schädigung mit immer neuen Frequenzen, von denen wissenschaftlich gesichert ist, dass jede einzelne Mensch und Natur schädigt. Deren Gesamtschädigungspotential ist nie untersucht worden und wird von diesen Grenzwerten natürlich überhaupt nicht erfaßt. Ebensowenig wie die Frage, in welcher besonderen Weise Kinder, Schwangere, Kranke und alte Menschen betroffen sind.

Fazit: Wer sich auf diese Grenzwerte beruft und darauf, dass sie einen Schutz für die Unversehrtheit von Menschen und Natur durch Mobilfunkstrahlung gewährleisten, beteiligt sich meiner Meinung nach unwissentlich oder wissentlich an der Verbreitung von wissenschaftlichen Falschaussagen mit lebensgefährlichen Folgen.

Interessierte finden unter www.diagnose-funk.ch den gesamten Bericht von Dr. med. Wolf Bergmann

Die 10 Phasen einer Katastophe

Das folgende Schema “Die 10 Phasen einer Katastophe” stammt aus der Analyse der Europäischen Umweltagentur, das unter dem Titel “Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896 - 2000″ vom Umweltbundesamt im Februar 2004 veröffentlicht wurde. 

Das Buch analysiert in 14 gut lesbaren Einzelbeiträgen Katastrophen der Vergangenheit, die Millionen Menschen und Tiere das Leben kosteten. Ursache waren gesundheitsgefährdende Produkte, Technologien oder Produktionsmethoden.

Es wurde beschrieben, um Lehren zu ziehen, wie mit den „kontroversen Themen der Gegenwart wie Klimaveränderung, Mobilfunk und GVO (GenVeränderte Organismen) umzugehen ist.“ 

Die Themen des Buches sind: Fischsterben, Röntgen und Radioaktivität, Benzol, Asbest, PCB, FCKW, Östrogene (DES), Antibiotika, SO2, MTBE, PCB-Katastrophe in den Great Lakes, TBT, Hormone in der Tierzucht und BSE.

Es kam zu diesen Katastrophen, weil „frühzeitige Warnungen – und selbst noch „laute und späte“ Warnungen – von den Entscheidungsträgern wegen kurzfristiger wirtschaftlicher und politischer Interaktionen willentlich ignoriert wurden“ . Das Vorsorgeprinzip wurde komplett dem Profit untergeordnet - und gelernt haben wir bis heute eigentlich nichts …

Die 10 Phasen einer Katastophe:

Phase 1: Produktakzeptanz und Euphorie

Ein neues Produkt kommt ungetestet auf den Markt und wird überschwänglich vermarktet.

Phase 2: Frühe Warnungen - erste Entdeckung der Schädlichkeit des Produkts

Unabhängige Wissenschaftler, betroffene Bevölkerungsteile stellen Gesundheitsschäden fest und fordern die Behörden zum Eingreifen auf.

Phase 3: Werbe- und Verharmlosungsoffensive der Industrie

Die produzierende Industrie und ihre Verbände bestreiten dies pauschal. Die Lobby und PR-Abteilungen werden aktiv. Werbeagenturen verpassen dem Produkt ein positives Image.

Phase 4: Unbedenklichkeitsgutachten

Korrumpierte Wissenschaftler treten mit Gegengutachten auf.

Phase 5: Realitätsschock -laute Warnungen

Berichte über Kranke und Todesfälle mehren sich, eine Protestbewegung entsteht.

Phase 6: Staatlicher Betrug und Unterdrückung

Die Regierung zweifelt die Zusammenhänge von Produkt und Opfern an, beruft sich auf die entwarnenden Gutachten. Kritische Beamte und Wissenschaftler bekommen Publikations- und Redeverbot, werden unter Druck gesetzt oder in Misskredit gebracht. Psychologen und Sozialwissenschaftler erarbeiten Konzepte zur Integration der Protestbewegung.

Phase 7: Priorität Wirtschaftsinteressen

Regierungsintern wird der Vorrang der Industrie vor Gesundheitsinteressen festgelegt und Schweigen vereinbart, es wird „willentlich“ ignoriert. Die Industrie hält sich zurück, beruft sich auf die Regierung und beteuert ihre Gesetzestreue.

Phase 8: Verwirrung stiften

Die Regierung behauptet weiter, bedenkliche Erkenntnisse lägen nicht vor, die Grenz- und Schwellenwerte garantierten Sicherheit. Ein Verschleierungsvokabular wird festgelegt und Fachgespräche mit der Lobby inszeniert: „Bei behördlichen Beur teilungen kommt es häufig zu Fehleinschätzungen, weil die Entscheidungsträger bei der Risikoabschätzung auf Informationen eben derjenigen Akteure angewiesen sind, deren Produkte beurteilt werden.“  Die Industrie hat inzwischen selbst die Erkenntnisse über die Risiken ihres Produkts, hält sie unter Verschluss und versucht, unabhängige Forschung zu verhindern. Mit einer „Phase verwirrender Debatten“ zünden Industrie und Regierung Nebelkerzen.

Phase 9: Späte Warnungen - Paralyse durch Analyse

Die Bürgerbewegung und öffentliche Kritik wächst. Die Regierung erklärt, dass sie die Sorgen ernst nimmt. Risiken können nicht mehr offen geleugnet werden: „Und doch geht die Veröffentlichung von Beweisen für Risiken gelegentlich mit heftigen, doch häufig verdeckten Auslegungstricksereien einher, mit denen versucht wird, Untätigkeit zu rechtfertigen.“ Man spielt auf Zeit. Die Datenlage sei nicht gesichert und reiche zum Handeln nicht aus. Regierung und Industrie leiten mit großem Presseaufwand Forschungen ein, sie stellen eine „Paralyse durch Analyse“ her. Kurzzeituntersuchungen werden präsentiert, die das Ergebnis haben, „dass Bedenken hinsichtlich der (bekannten) Risiken völlig unbegründet sind.“ 

Phase 10: Katastrophen – Verbot des Produkts

Die Langzeitwirkungen des Produkts treten zu Tage. Katastrophen fordern viele Tote. Die Politik lenkt ein. Nach frühestens 25 Jahren, bedingt durch wissenschaftlichen und öffentlichen Druck, katastrophale sichtbare Folgen, hohe staatliche Folgekosten, Versicherungsschäden, politische Rivalität und vorhandene Alternativprodukte, wird das Produkt verboten.

Dieses 10-Phasen-Modell der „Profit-vor-Gesundheit-Politik“ kann problemlos auf den Mobilfunk übertragen werden!

Die Frage ist, in welcher Phase befinden wir uns eigentlich? Dieses Schema ist nicht starr. Die Phasen überlagern sich. Egal, wo wir stehen, es kommt immer auf die Bürgerbewegung an, Katastrophen zu verhindern!

Die Phasen 1 bis 9 zu durchschauen, ist dabei hilfreich. Und dieses Buch ist dazu ein Lehrbuch. Es ist ein Plädoyer für die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips, das trotz der Erkenntnisse, die vorliegen, nicht beachtet wird.

Das Buch “Späte Lehren aus frühen Warnungen” ist lesenswert und kann im Internet unter www.umweltbundesamt.de kostenlos bestellt werden.