Keine Forschung über Mobilfunk-Gefahren

Verfolgt man die Diskussion um die Auswirkungen und möglichen Gefahren von Mobilfunk, so steht immer wieder ein Argument im Vordergrund, dass wunderbar von beiden Seiten benutzt werden kann: Die fehlenden Studien zu Langzeitfolgen.

Die junge Technik des Mobilfunks, die erst Anfang der 90er Jahre zu einem Massenphänomen geworden ist, macht die Abschätzung von Langzeitfolgen bisher schwierig. Um so wichtiger ist es, kontinuierlich Untersuchungen durchzuführen, die verlässliche Ergebnisse für Verbraucher und Unternehmen bringen.

Dieser Aufgabe hat sich seit Anfang der Jahrtausendwende das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm gestellt. Das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm, das durch das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) initiiert wurde, wird vom BfS umgesetzt und wie folgt koordiniert:

Im Zeitraum von 2002 bis voraussichtlich Ende 2007 werden zum Thema “Mobilfunk” ca. 50 Forschungsvorhaben in den Disziplinen Biologie, Dosimetrie, Epidemiologie und Risikokommunikation durchgeführt. Dabei wird der Bereich bewusst breit gefasst und geht z.T. über den derzeit genutzten GSM und UMTS-Standard hinaus. Ziel ist es u.a., grundsätzliche Wirkungen und Mechanismen zu klären sowie mögliche Ursachen der Elektrosensibilität aufzudecken. Es wird angestrebt, dass die Ergebnisse Relevanz für den gesamten Bereich der Telekommunikation haben und möglichst auch für zukünftige Entwicklungen Aussagen zulassen.

Auch die Mobilfunkbetreiber haben sich in einer Selbstverpflichtung vom 05. Dezember 2001 diesem Vorhaben angeschlossen und es mit 8,5 Mio. Euro gefördert.

In der Selbstverpflichtung heißt es:

Man nehme aber auch die Vorbehalte und Kritik in Teilen der Bevölkerung ernst und wolle deshalb die Vorsorge weiter verstärken.

Aber nichts ist so vergänglich wie “das Geschwätz von gestern”. Denn obwohl die bisherigen Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogrammes auf ernsthafte Probleme hinweisen, wollen weder die Bundesregierung noch die Mobilfunkbetreiber diese Untersuchungen fortführen bzw. unterstützen.

In der einer der letzten Ausschuss-Sitzungen im Bundestag wurde der Antrag der Grünen auf Verlängerung des Mobilfunk-Forschungsprogramms abgelehnt. Gegen die Stimmen der Grünen, der Linken und selbst der FDP hat die Regierungskoalition eine Weiterführung abgelehnt. CDU-Vertreter sollen laut Pressemeldung der Grünen sogar von “Panikmache” gesprochen haben.

Schaut man sich die Ergebnisse und Aussagen des Forschungsprogramms einmal näher an, so ist die Beendigung um so unverständlicher. In einer Anhörung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz am 07.12.2006 zum Thema „Einfluss des Mobilfunks auf die menschliche Befindlichkeit“ gibt das Bundesamt für Strahlensschutz folgende Erkenntnisse weiter:

Zum Thema WLAN:

“Das BfS empfiehlt daher, … kabelgebundene Alternativen vorzuziehen.”

Zur Kennzeichnung der Strahlenbelastung von Handys:

“Frage: Was spricht dagegen, diese Werte auf dem Handy selbst (im Display) und bei der Werbung (verpflichtende Angaben) anzubringen?
Es spricht nichts dagegen, den Wert anzugeben, sondern alles dafür.”

Zur grundsätzlichen Strahlenbelastung:

“Die Bewertung des aktuellen Erkenntnisstandes zeigt, dass wissenschaftliche Hinweise auf mögliche Risiken tatsächlich bestehen. Das Bundesamt für Strahlenschutz ist der Ansicht, dass Vorsorgemaßnahmen angesichts der bestehenden wissenschaftlichen
Unsicherheiten bei hochfrequenten elektromagnetischen Feldern unabweisbar sind.”

Und das BFS stellt eindeutig klar, dass eine Weiterführung der Untersuchungen notwendig sind, um (endlich) die Langzeitfolgen abzuschätzen.

“Es erscheint aber schon jetzt sehr wahrscheinlich, dass hinsichtlich der Fragen nach möglichen Langzeitwirkungen und einer eventuell höheren Empfindlichkeit von Kindern mit dem Abschluss des DMF keine abschließenden Aussagen
möglich sein werden. Hier bestehen grundsätzliche methodische Probleme, die eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Fragen momentan erheblich erschweren und längerfristige Untersuchungen erforderlich machen.”

Um so unverständlicher ist es, dass dieses Programm von der Bundesregierung gestoppt wird. Aber beim gesteigerten Aktionismus von Innenminister Schäuble ist es vielleicht nicht mehr nötig, weil der Mobilfunk und das Internet zur Terrorabwehr grundsätzlich verboten wird!

Einfach mal abschalten

Das Gefühl kennt jeder und auch nicht erst seit es Mobilfunk gibt: Ein ungebetener Gesprächspartner “belästigt” einen mit seinen unnützen Erzählungen. Wie werde ich ihn möglichst schnell wieder los? Welche Ausrede habe ich noch nicht bei ihm versucht? Der zwanghafte Glaube durch das Handy immer erreichbar sein zu müssen, hat diese Problematik noch verstärkt. Wir warten nicht mehr nur auf die wirklich wichtigen Anrufe, sondern werden auch “rund-um-die-Uhr” von ungeliebten Menschen kontaktiert. Eine eigentümliche Art der Abhilfe soll die “Excuse Box” von ThinkGeek bieten. Für nur zehn US-Dollar lassen sich vom krachenden Gewitter über Verkehrslärm bis zum Babygeschrei verschiedene Geräusche simulieren, um die Ausrede glaubhafter zu machen.

Der (kostenfreie) Tipp der Smog-Blogger: Das Handy einfach mal abschalten hilft auch!

Excuse box

Traum(a) der Unerreichbarkeit

… oder die Entstehung eines Trends

Es ist eine typische Szenerie an der Rezeption eines Hotels. Voller Stolz und Überzeugung begrüßt die Empfangsdame den ankommenden Hotelgast und freut sich, ihm mitteilen zu dürfen, daß er ein Zimmer erhält, das gegen elektromagnetische Strahlen abgeschirmt ist. Einem gesunden und erholsamen Schlaf steht nichts im Weg.
Der Gast ist leicht verunsichert und schaut die Dame zweifelnd an. Es ist ihm förmlich anzusehen wie ihm die Gedanken durch den Kopf schießen und sich langsam ein Horrorszenario aufbaut. „Elektrosmogfrei … das heißt kein Handy-Empfang … das bedeutet nicht erreichbar zu sein … wer wollte mich erreichen … welche Anrufe erwarte ich dringend … was passiert in der Welt da draußen, wenn ich abgekapselt werde von der Außenwelt …?
Doch bevor er seine aufsteigende Panik zum Ausdruck bringt, beruhigt ihn die gelassene Rezeptionsmitarbeiterin. Das Handy bleibt empfangsbereit. Wenn auch mit geringerer Empfangsleistung. Ruhe breitet sich aus. In Gedanken entspannt sich der Hotelgast: „Der Urlaub kann beginnen. Notfalls bin ich ja erreichbar.“

Vielleicht ist es die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei. Ist das Mobilfunkgerät nun der seit Jahrhunderten erwartete Segen, daß wir endlich immer im Notfall erreichbar sind. Oder hat die Nutzung des Handys dazu geführt, daß wir meinen, immer erreichbar sein zu müssen. Reichen zwei Wochen Erholung ohne Handy und womöglich sogar ohne Medien aus, daß wir denken, unsere Bekannten und die gesamte Welt hat sich so verändert, daß wir sie nicht mehr wiedererkennen. Ist das Handy unser nötiges Mittel zur essentiellen Kommunikation, oder sind wir unterbewußt zu Sklaven der vermeintlich notwendigen „24 Stunden – Erreichbarkeit“ geworden?

„Der wahre Luxus der Zukunft ist vernetzte Unerreichbarkeit“
Matthias Horx

Der Satz: „Alles wird immer komplizierter, alles wird unübersichtlicher“, ist eine der am meisten gebrauchten Floskeln seit Mitte der 90er Jahre. Das Schlagwort der „Globalisierung“ dient als „Pseudo-Entschuldigung“ für sämtliche gesellschaftliche Entwicklungen. Die Rasanz von Entwicklungen und die Schnellebigkeit von Ereignissen suggeriert uns die ständige Aufmerksamkeit. Entscheidungen müssen in immer kürzeren Zeiträumen getroffen werden, Wissen muß in immer weniger Zeit erworben werden.
Irgendwann übersteigt aber das mediale Angebot die menschliche Wahrnehmung. Aus der Lust an der Information wird Streß im Alltag. Die Befriedigung sich mit Ereignissen intensiv zu beschäftigen zerfällt im Druck, daß das Neue schon wartet. Die Gesellschaft verwandelt sich in eine Ablenkungsgesellschaft.

„Multitasking“ – viele Dinge gleichzeitig zu tun – wird die überlebenswichtige Kulturtechnik, um die vermeintliche Komplexität des Alltagslebens zu überstehen. Wir lesen, sehen fern, essen, reden mit dem Partner und denken nebenbei über das Geschehene nach. Alles passiert gleichzeitig. Wir lassen uns ablenken und lenken dabei andere ab. Ungeteilte Aufmerksamkeit und Konzentration wird an den Rand gedrängt.

„In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Leben
verschwimmen, müssen wir schnell sein – aber langsam essen.
Schnell sein, aber den Rosenduft riechen können.
Die große Herausforderung ist: die Unterschiede in
jenem Lärm finden, der sich Information nennt. Der
Schlüssel ist zu verstehen, daß wir nicht schnell sein müssen,
weil wir ein Rennen laufen, sondern
daß wir ein Rennen ohne Ziellinie laufen.“
Vincent Krawich

Polly Ghazi, englische Journalistin und Pionierin der „Downshifting- Bewegung“, vergleicht diesen Effekt mit einem Computer, der mit zunehmendem Abarbeiten von ständig mehr Programmen und „Subroutinen“ immer langsamer wird. Wir werden in Wahrheit nicht schneller, sondern langsamer, weil wir uns ins Nebensächliche verzetteln.

Was bedeutet das nun für die Hotellerie?

Zu den beliebtesten Werbesprüchen in der Hotellerie zählen: „Dem Alltag entfliehen“ und dem „Streß entkommen“.

Was sich im ersten Moment erholsam anhört und von keinem Urlaubsgast bezweifelt werden kann, bleibt in der eigenen ironischen Sackgasse stecken.

So sehr der streßgeplagte Urlauber abschalten möchte, so wenig bereit ist er auf seinen medialen Luxus zu verzichten. Das Handy, der Fernseher und das Internet (- mittlerweile als W-Lan-Angebot in durchgängiger Verfügbarkeit an allen Orten) dürfen auch im entferntesten Winkel nicht mehr fehlen.

Wenn der Logik zu folgen ist, daß jeder Entwicklung auch eine Gegenentwicklung folgt, dann folgt der totalen Mobilität die Sehnsucht nach Unerreichbarkeit. Genauso wie der hybride Konsument von heute nach seinem Besuch im Feinkostladen die restlichen Lebensmittel im Discounter kauft, verspürt er das Verlangen nach Momenten der Stille und völliger Distanz von der Vernetzung.

“Immer und überall erreichbar zu sein, wertet im Gegenzug gerade die Privatsphäre auf. Die Bedeutung der gewollten Unerreichbarkeit wird dadurch erheblich steigen. Es könnte für manche Menschen ein paradoxer Effekt entstehen: Durch die Verbreitung von Erreichbarkeit ist Unerreichbarkeit mit Ranggewinnen verbunden – man wird also um so bedeutsamer, je unerreichbarer man wird“
Heinz Bude (50) Professor für Soziologie an der Universität Kassel.

Die Unerreichbarkeit entwickelt sich zum Wettbewerbsvorteil. Wenn es „chic“ wird nicht erreichbar zu sein, dann muß das Angebot hierfür auch die Ausschließlichkeit wahren.
Ein Wellnesshotel mit W-Lan im ganzen Haus und Handy-Lade-Stationen an der Vitamin-Bar widerspricht sich selbst, wenn sie mit der „Befreiung vom Alltagsstreß“ wirbt. Es wendet sich vielmehr nur an die Zielgruppe der „Erreichbarkeits-Fanatiker“.

Ob sich der Wunsch nach Unerreichbarkeit im Kloster auslebt oder im Urlaub auf dem Einöd-Bauernhof im Allgäu … Ob der Urlaubsgast seine Reiseentscheidungen nach dem letzten verbliebenen Funklöchern in Deutschland auswählt und sich über www.funkloch.info sein passende Ziel auswählt … - um die Momente der Stille, wird ihn wohl jeder geplagt Manager beneiden.

„Als Führungskraft muß man sich Langsamkeit leisten können.“

Vortrag: Auswirkungen von Mobilfunk

Die Neue Presse Coburg berichtet über einen Vortrag von Dr. Volker Schorpp zum Thema “Risiko Mobilfunk: Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen“.

Unter anderem spricht Dr. Schorpp auch über den oft zitierten “Geldrollen-Effekt“. Entdeckt wurde dieser Effekt Ende der 1990er-Jahre vom deutschen Mediziner Dr. Hans-Joachim Petersohn. Zwei Regionalsieger des Wettbewerbs Jugend forscht haben dieses Phänomen dann 2005 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nach nur 20 Sekunden dauernden Handytelefonaten konnten sie in den Blutbildern ihrer Versuchspersonen deutliche Verklumpungen roter Blutkörperchen beobachten - eben den Geldrolleneffekt.
Unter Einwirkung elektromagnetischer Felder verklumpen rote Blutkörperchen zu zylinderartigen Gebilden, die wie ein Stapel Geldmünzen aussehen. Die komplette Studie ist auf der Internetseite des h.e.s.e.-Projektes nachzulesen.