… - oder was ist der Sinn und Unsinn von Studien?
Kennen Sie den Noceboeffekt?
Der Noceboeffekt stellt das Gegenteil des bekannteren Placeboeffekts dar und er bedeutet, dass negative Erwartungen einen nachteiligen Einfluss haben können. Dahinter liegt auch der Gedanke der „sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiungen“.
Die Selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Vorhersage, die sich erfüllt, nur weil sie vorhergesagt bzw. erwartet wurde. In Bezug mit der Realität existiert aber kein oder möglicherweise sehr geringer Zusammenhang, als er in der Erwartung existiert. Die Überlegung basiert auf dem Prinzip, dass man selbst auf die Umwelt Einfluss nimmt und versucht sie so in die Richtung zu verändern, die man erwartet. Demnach wird die Erwartung zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Eben dieser Effekt soll das Hauptergebnis einer Pilotstudie der Katholischen Universität Eichstätt im Augsburger Landesamt für Umwelt (LfU) haben. Untersucht wurde, ob die hochfrequenten elektromagnetischen Felder einer UMTSMobilfunkbasisstation einen Einfluss auf die Befindlichkeit von Personen haben, deren Arbeitsplatz sich in der unmittelbaren Umgebung befindet. So fühlten sich die Studienteilnehmer des Landesamtes deutlich schlechter, wenn sie annahmen, die UMTS-Mobilfunkbasisstation auf dem Solardach des LfU sei angeschaltet, obwohl sie tatsächlich nicht in Betrieb war. Die genaue Methodik der Studie lässt sich hier nachlesen.
Aber was ist die Schlußfolgerung einer solchen Studie?
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geht in einer Studie aus dem Jahr 2006 davon aus, dass 6 % der bundesdeutschen Bevölkerung über 14 Jahren elektrosensibel reagieren. Sind das nun alles Hypochonder und haben sich ihre Probleme nur eingebildet?
Ein paar kritische Anmerkungen zur Studie sollten auch noch erlaubt sein. Die Methodik der Pilotstudie ist unbestritten gut, da es sich um eine “Doppel-Blind-Studie” handelt, die keiner der Probanden beeinflussen kann- auch nicht der Versuchsleiter!. Allerdings ist die Betrachtungsweise bei dieser Feldforschung, also den Fokus lediglich auf die UMTS-Mobilfunkbasisstation auf dem Solardach des LfU zu legen, etwas zweifelhaft.
Wer sagt uns denn, in welcher exponierten Lage - in Sachen Hochfrequenz - das LfU Augsburg überhaupt liegt? Oder ob dort an den Arbeitsplätzen eventuell mit DECT-Telefonen und W-LAN gearbeitet wird?
Eine ebenfalls interessante Betrachtungsweise ist auch das private Wohnumfeld der einzelnen Probanden: Gibt es Menschen in der Versuchsgruppe, die bereits Reduzierungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld durchgeführt haben und bewusst auf DECT-Telefone & Co. verzichten? Diese Menschen sind im Normalfall - wenn es sich nicht gerade um elektrosensible und/oder vorgeschädigte Personen handelt - etwas resistenter oder unempfindlicher, wenn sie entsprechenden Belastungen ausgesetzt werden.
Oder ist das Gegenteil der Fall und einer der Probanden lebt in einem “hochtechnisierten” Haushalt, hat sein Festnetztelefon abgeschafft und telefoniert nur noch mobil? Das sind jetzt nur zwei Extremfälle, aber all das sind Fragen, die in einem solchen Feldversuch mitberücksichtigt werden sollten.
Das Hauptproblem aller wissenschaftlichen Versuche, Forschungen und Studien ist, dass immer wieder versucht wird, aus Gründen der Reproduzierbarkeit, das zu untersuchende Problem herauszukristallisieren, um eben reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.
Doch am Ende ist man vielleicht genauso schlau wie am Anfang.